manuelaManuela Kerer (*1980 Brixen/Südtirol) staunt gern und ist ständig auf der Suche nach neuen Klängen, Überraschungen und Herausforderungen. Sie interessiert sich für völlig konträre Bereiche und beschäftigt sich dabei letztlich doch immer mit demselben – der Musik. So schloss sie die Studien der Komposition und IGP Violine am Tiroler Landeskonservatorium, der Rechtswissenschaften und der Psychologie (Dissertation „Musik und Demenz“) an der Universität Innsbruck ab. Weiterführende Kompositionsstudien führten sie zu Alessandro Solbiati nach Mailand. Werke von Manuela Kerer entstanden für Ensembles wie das „Solistenensemble Kaleidoskop Berlin“, „die reihe“, „Bayerische Kammerphilharmonie“, „ascolta“ und Ausnahmekünstler wie Julius Berger oder Alfonso Alberti. Sie wurden bei Festivals wie Münchener Biennale für zeitgenössisches Musiktheater, Klangspuren Schwaz, Wien Modern, International Festival for Contemporary Music Moscow, den Tiroler Festspielen Erl, im Konzerthaus Berlin, an der Neuen Oper Frankfurt, auf Kampnagel Hamburg, Hellerau Dresden, im Radialsystem Berlin, in New York oder am Titicaca-See aufgeführt. Sie erhielt u.a. das Österreichische Staatsstipendium (2008, 2011), den „Walther von der Vogelweide- Preis“ (2009) oder den SKE Publicity Preis 2011. 2009 wurde sie vom Ausschuss der Europaregionen als eines von europaweit 100 „young creative talents“ und 2012/2013 vom österreichischen Außenministerium für das Programm „New Austrian Sound of Music” ausgewählt (u.a. Aufenthalt in New York). Kerers Werke wurden auf zahlreichen CDs eingespielt, eine Porträt-CD erschien im Rahmen der ORF Edition „Zeitton“.

Die Komponistin: „Heiraten ohne Musik? In meinen Ohren und in meinem Gedächtnis undenkbar. Brautstehlen ohne Musik? Noch weniger denkbar. Deshalb empfand ich meine Aufgabe in diesem Projekt als höchst verantwortungsvoll. Nämlich eine musikalische Hochzeit zwischen autobiografisch stimulierender, Erinnerung-weckender Musik und neuen, noch nie gehörten Klängen zu ermöglichen. Dabei erlebte ich Christine Freis äußerst musikalisches Libretto als große Inspirationsquelle. Anhand ihrer (auch klanglichen) Ideen habe ich über musikalische Traditionen des Brautstehlens reflektiert, die Klänge^nach und nach gedreht, gewendet, zerrupft, zerpflückt und sie in einen neuen klanglichen Kontext gestellt, immer von der Tradition des Brautstehlens inspiriert. Ergebnis: Ein Konglomerat aus elektroakustisch konzipierten Kompositionen und analog erzeugten Geräuschen und Gesängen.

christineChristine Frei, Jg. 1966, geboren in Baden-Württemberg, aufgewachsen in Deutschland und in Südtirol, lebt seit 1986 in Nordtirol. Studium der Germanistik und Geschichte, Post-Graduate-Ausbildungen in Kommunikation. Schreibt seit Mitte der neunziger Jahre, zunächst lyrische Texte, die sie meist selber performt, seit 2005 hauptsächlich Theaterstücke. Darunter den Frauenmonolog „du.phantombild“, eine Selbstbeschreibung für das Drei-Autorinnen-Projekt von coop.fem.art „(k)ein stück hoch drei“, in dem sie auch selber als Autorin auf der Bühne stand, die Sprechtexte für das spartenübergreifende Projekt des Tiroler Landestheaters „Tanzen und Wandern“ im Rahmen des Tiroler Dramatikerfestivals 2008, die lyrisch-musikalische Revue „Stiefwittchen Homestory“, eine coop.fem.art-Produktion für das erste freie Theaterfestival Innsbruck 2008, das Finanzkrisenstück „Bonustrack“, ein Auftragswerk für das Westbahntheater zum zweiten freien Theaterfestival Innsbruck 2010, das Auftragswerk „Brüllendes Schweigen“ über die Erinnerungen der Zeitzeugin Inge Brüll an ihre in Auschwitz ermordete Cousine Ilse, uraufgeführt im Generationentheater
Innsbruck im Mai 2011, den Theatertext „Shitstorm“, ein Zeitstück über eine Digital-WG und die Verbalkriege im Internet für das Tiroler Dramatikerfestival 2012, das coop.fem.art-Weltuntergangsspiel „Sirenen.Probe“ für das dritte freie Theaterfestival 2012, die Farce „entweder es brennt oder es dauert“, die im Herbst 2014 ihre Uraufführung im Westbahntheater erlebte.

Die Autorinvor drei wochen – am nationalfeiertag – waren wir (unsere regisseurin maria wassermann und ich) mit der videokamera (quasi quasi) auf vergewisserungsrecherchetour am landhausplatz. haben dort zwischen hunderettungsstaffel, rotem kreuz-stand, brückensicherungskran, aufblasbarem helikopter und vom landeshauptmann dirigierter blasmusik das lustwandelnde wählervolk nach seiner meinung zum brautstehlen befragt. das ergebnis unserer volksbefragung war wenig verwunderlich herzerfrischend wie ernüchternd zugleich. und wird dann quasi zur einstimmung auf unsere neue coop.fem.art.produktion ‚brautstehlen‘ im eingangsbereich des freien theaters zu sehen sein. eines meiner absoluten highlights: ein gepierctes rastamädchen mit einem wahrlich sagenhaften lacher, die auf die frage, was sie denn davon halten würde, wenn man sie nach dem stehlen nicht mehr zurückbrächte, erst mal entgeistert dreinschaute. um dann für sich zum schluss zu kommen. „na, wenn ich mich schon dazu durchringe, dann muss ich es auch durchziehen.“ was für ein satz. humor ist also, wenn man es trotzdem macht. im zweifelsfall ließe sich die braut stehlen. genau. eine junge marketenderin dort am landhausplatz gab uns freilich zu denken. brautstehlen. das sei voll die party. meinte sie. naja, wir werden sehen. bei meiner ersten besprechung mit manuela kerer hab ich ihr jedenfalls gleich mal einen song hingeschoben. den hätte ich gern mit drin. sagte ich. ob sie sich das denn vorstellen könnte. es war immerhin eine disconummer aus den achtzigern. doch sie zuckte nicht mal mit einer wimper. der song ist also dabei. freilich hat sie ihn zuvor ein wenig be-kert, den guten alten giorgio m. schließlich ist unser „brautstehlen“ quasi quasi un´ opera buffa. und ein wengerl einen jux müssen wir uns da schon machen.

mariaMaria Wassermann, Jg. 1963, Theaterfrau, seit Jahren aktiv in der Innsbrucker Frauenbewegung, u.a. Vorstandtätigkeit und Geschäftsführung im AFLZ, Regie u.a. für die Toncollage beim Demokratiekongress 2011 in Innsbruck, für das Musikkabarett „Geständnisse einer Gelegenheits-Diseuse“, das coop.fem.art-Projekt „Sirenen.Probe“, das Schnitzler-Stück „Abendspaziergang“, aufgeführt in der Langen Nacht der Museen 2013.

Die Regisseurin: Beim Heiraten hört sich die Freundschaft auf, heißt es im Stück. Politisch sowieso. Denn beim Thema gleichgeschlechtliche Ehe (möglicherweise sogar noch mit Kindern) ist ganz schnell Schluss mit lustig. Daher musste es ja wohl quasi quasi un´ opera buffa werden.

 

 

 

lisaLisa Überbacher, geboren Anfang der wilden 80er in Innsbruck, Mützenkind mit Liebe zu den Bergen und der Ostsee. Ausgebildete Bühnen- und Kostümbildnerin mit beruflichen Stopps in London, Wien, Luxemburg, Hamburg, Innsbruck und Orten, die man als Provinz bezeichnen könnte. Gründete 2009 das Theaterkollektiv Zeitgeist Gruppe, mit dem sie ortsspezifische, spartenübergreifende Theaterprojekte realisiert. (Noch) unverheiratet hat sie ihrem Opa im Jahr 2000 auf einer gemeinsamen Norwegenreise versprochen: „Wenn ich heirate, dann hier (in einer Stabkirche mitten im Wald). Abwarten …

Die Bühnen- und Kostümbildnerin: Das Bühnenbild soll den Bruch zeigen, beide Seiten der Medaille anhand von zwei unterschiedlich gestalteten Räumen. Die Kostüme indes sind quasi zeitlos. Die Figuren könnten überall zu Hause sein. Vielleicht suchen sie sogar Ihre nächste Hochzeit heim?

 

 

 

michaela

Michaela Adrigan, ist nach einigen Umwegen letztendlich beim Schauspiel angekommen. Dort geht‘s jetzt erst richtig los – der Weg ist das Ziel!

Brautstehlen handelt von Bräuten … von denen, die es schon waren, denen, die es gerne wären, die es noch (ein)mal sein wollen oder niemals sein werden … oder vielleicht doch? Von Freundschaften und Hochzeiten … von romantischer Liebe und ernstem Leiden … von Bequemlichkeiten und Bedenken … von Geschichten und Gerüchten … von Überlegungen und Überforderungen … von Wandlungen und Wechsel(n) … alles ist möglich und alles ist gut … jedenfalls „bis ich es mir anders überleg oder besser weiß“.

 

 

 

 

kerstin

Kerstin Bernhard, geboren in Linz, Dr.in der Humanmedizin, Gesangsstudium am Tiroler Landeskonservatorium, vielfältige Gastengagements u.a. am Tiroler Landestheater; breit gefächertes Lied- und Oratorienrepertoire und rege Tätigkeit im Bereich Zeitgenössische Musik. www.kerstinbernhard.com

Persephone – nichts ahnend? Jaja, wer´s glaubt …

 

 

 

 

 

gabiGabi Plattner, Jg. 1970, Erziehungswissenschafterin, Leiterin des Tiroler Frauenhauses für misshandelte Frauen und Kinder; Haupt- und nebenberuflich leidenschaftliche Netzwerkerin und Gern-Springerin zwischen den Bereichen und Genres (Feminismus/Kunst/Kultur/und Sozial-Politik). Teil des Vereins coop.fem.art (Verein zur Förderung feministischer Kunst und Kultur). Freie Mitwirkende in diversen Kunst- und Kulturprojekten. Teil der Frauenkabarettband „les reines tyroliennes“ (die Königinnen Tirols)

wir dürfen launisch sein und unberechbar. einfach so. wir müssen überhaupt keine erwartungen erfüllen. nicht mal unsere eigenen.
Brautstehlen ist ein Reigen mit Überraschungseffekt, eingebettet in Musik wider die Bequemlichkeit, ein Nach-sinnen und –sehnen über allfällige Untiefen, Abgründe, Höhenflüge und girlandenbesetzte Zwischensprünge, ein sich Hin- und Wegbewegen auf das und von dem, was wir alle so unterschiedlich als Liebe beschreiben. Oder nennen wir es vielleicht doch Abhängigkeit, Bequemlichkeit oder die Sehnsucht danach, zu zweit frei zu sein, eingebettet in unterschiedlichste  Brauchtumsvorschreibungskulissen, nicht ohne ein Schmunzeln ins Publikum zu zaubern. Jedenfalls oder auch nicht. Und schon fängt es wieder an.

 

sunny

Sunny Rabl, ist seit 15 Jahren hauptsächlich als Radiomoderatorin tätig (derzeit bei Radio U1 Tirol) und freut sich sehr, wenn sich immer wieder mal auch eine Theaterproduktion ausgeht, denn ihre Leidenschaft gehört dem Schauspiel.

Brautstehlen. Das ist für mich ein skurriler Reigen von 5 Frauen, die teils göttlich und teils sehr profan auf vielen verschiedenen Hochzeiten tanzen. Ob sie dabei ihr Glück finden? Mal sehen.

 

 

 

 

susanSusan La Dez, als Halbperserteppich von einer Osttirolerin in Vorarlberg geknüpft, fühlt sich Susan La Dez nach anfänglichen Startschwierigkeiten (der Start dauerte ein paar Jahrzehnte) mittlerweile überall zu Hause, wo Natur, Menschlichkeit und Kreativität aufeinandertreffen. Und wenn sie nicht gestorben ist, spielt, singt, heilt, tanzt und liebt sie immer noch.

Brautstehlen. Das ist für mich, sich daran zu erinnern, wie es ist, mit der Unbeschwertheit eines Kindes zu spielen, ein traditioneller Grund, um zu saufen oder eine letzte Fluchtmöglichkeit, ohne dafür die Last der Verantwortung tragen zu müssen.